Charlie in Ghana

Die Kinder sind heute besonders euphorisch, sie stehen an ihren Tischen und wünschen Charlie lauthals einen guten Morgen. Es ist sein letzter Tag in Ghana, sechs Monate ist es her, dass er sich auf den Weg gemacht hat in das große Abenteuer Afrika. Er hat sich für einen Freiwilligendienst in einer Grundschule entschieden, einerseits weil er vorhat, Deutsch und Englisch auf Lehramt zu studieren, andererseits auch weil er schon immer mit Kindern arbeiten wollte. Die Kinder, die er in Ghana kennengelernt hat und mit denen er die letzten Monate jeden Tag so viel Zeit verbrachte sind ihm nicht nur sehr ans Herz gewachsen, sie haben ihn auch auf seine berufliche Zukunft vorbereitet und seine Pläne und Wünsche in die richtige Richtung gelenkt. Auf Facebook hat er seine Freunde stets mit Fotos und Anekdoten über seinen Aufenthalt auf dem Laufenden gehalten. Auch wenn er sich nach seiner Familie und seinen Freunden in der Heimat sehnt, fällt ihm der Abschied mit jeder Minute schwerer. Heute wird er sein Zertifikat erhalten, vom Schulleiter und Mentor Samuel. Das Zertifikat bestätigt seine Mitarbeit als Freiwilliger an der sozialen Einrichtung, die es in den letzten 20 Jahren geschafft hat, mit der Hilfe von Freiwilligen aus der ganzen Welt, über 800 Kindern aus ärmeren Verhältnissen eine grundlegende Schulbildung zu ermöglichen. 

 Nach seinen letzten zwei Unterrichtsstunden, die seine Klasse und er zur Feier des Tages mit einer Reihe von lustigen Gesellschaftsspielen verbringen, bereitet sich Charlie auf seine Abschiedszeremonie vor. Eine der Mütter hat ihm heute Morgen ein selbstgenähtes, traditionell gemustertes Hemd vor seine Tür gelegt, das er nun überstreift und sich über den sandigen Hof zu Samuels Büro begibt. Samuel erwartet ihn vor seiner Tür. Mit einem breiten Grinsen wedelt er mit dem Zertifikat. Er ruft ihm zu. „Charlie!“, sein Grinsen ist ansteckend. „The children ask me to give you this.“, schmunzelt er in gebrochenem Englisch und charmantem Akzent. Er überreicht Charlie eine Schatulle. Charlie bedankt sich schüchtern. „Do not thank me, thank them! And you have to come back!, lacht Samuel. Charlie öffnet die Schatulle. Es sind über 20 Briefe und Karten darin, jedes Kind hat etwas geschrieben, Charlie muss mit den Tränen kämpfen. Er wird sie alle sehr vermissen. Er bittet eine der Mütter um ein Foto. Bald wird er seinen Freunden persönlich von seiner so bewegenden, signifikanten und besonders prägnanten Zeit in Ghana berichten können.

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