Robert und der chinesische Cheeseburger

Robert lebt seit Anfang September in China und seine regelmäßigen Updates und Bilder lassen nur darauf schließen, dass ihm seine Zeit dort viel Freude bereitet. Er hat eine Menge neue Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen, sowohl unter seinen Studenten, als auch unter seinen Kollegen.

Eine Sache musste er ihnen allerdings noch über sich erklären: Er ist nicht nach China gekommen, um dort dasselbe europäische Essen vorzufinden, das er dort zurückgelassen hat. Er ist gekommen, um Neues zu sehen, zu schmecken, zu hören. So rücksichtsvoll und schön der Gedanke seiner Gastgeber auch sein mag, ihn in vertrautes Terrain zu führen und auf diesem Wege die „Transition“ etwas weicher und bekömmlicher zu machen, so ist es doch auch etwas befremdlich für ihn gewesen, sich in China in einen Burger-Laden zu setzen, sei dieser unter den Einheimischen auch noch so beliebt.

Weil er immer sehr auf Höflichkeit und Dankbarkeit bedacht ist, sitzt er nun mit seinen Kollegen in dem Diner-Style Restaurant und wartet auf den hoch angepriesenen Burger. Er lächelt und nickt, nimmt Teil am Small-Talk über die Institution und die Lehrerschaft, die Studenten und den Lehrplan, und denkt an die vielen lokalen Genüsse, die er in den kleinen, feinen, traditionell chinesischen Restaurants in seiner Nachbarschaft schon erleben durfte. Er hat einen Cheeseburger mit Pommes Frites bestellt, aber insgeheim hätte er große Lust, sich weiter durch die exotischen Mittags- und Abend Karten zu probieren, die seine unstillbare Neugier immer wieder anregen und ihn voller Vorfreude unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschen lassen.

Als dann aber die Kellnerin das Essen bringt und der saftige, überdimensionale Burger vor Robert landet, können selbst die Tischnachbarn das Glitzern in seinen Augen sehen. Heimweh schleicht sich an und Robert kann nicht aufhören zu grinsen. Sein Gegenüber klatscht freudig in die Hände, genau auf diese Reaktion hatte sie gehofft. Er nimmt den Burger in beide Hände, hebt ihn zu seinem Mund und versinkt darin mit einer Wonne, die den ganzen Tisch ansteckt. Kurzerhand wird Schnaps bestellt, Robert überkommt es wie ein Regenschauer an einem sonnigen Tag, die Freude des Vertrauten, der Geschmack der Heimat. Guten Appetit!

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