Maria und Julia und ihre Arbeit in der Neugeborenen Station

Als die winzig kleine Hand nach Julias Finger greift und ihn fest drückt, wird beiden Mädchen erneut bewusst, welchen Wert dieser Moment in ihrem weiteren Leben haben wird. Maria ist den Tränen nahe, kann aber gleichzeitig nicht aufhören zu kichern vor unkontrollierbarer Freude. Es sind Momente, die die beiden Mädchen für immer zusammenschweißen werden. Maria und Julia haben sich für einen Freiwilligendienst in einer Neugeborenen-Station entschieden, um berufliche Erfahrungen als Hebammen zu sammeln und Afrikas Säuglingen die bestmögliche Versorgung zu geben. Sie haben dafür in den letzten Wochen schon mehrere schlaflose Nächte in der Notfallversorgung auf sich genommen, sind übernächtigt und erschöpft, können allerdings trotzdem nicht anders, als immer wieder aufs Neue vor Freude über eine geglückte Geburt und ein gesundes Baby in eine gemeinsam geteilte Euphorie auszubrechen. Die Arbeit ist hart, die Ressourcen stark eingeschränkt, für die notwendige Hygiene müssen die Ärzte und Schwestern auf der Station stets aufmerksam bleiben und trotz sparsamer Ausrüstung die bestmöglichen Voraussetzungen anstreben. Es ist genau dieser Kampf, der eine gelungene Geburt so wertvoll und magisch erscheinen lässt.

Julia und Maria haben sich eine kleine Pause redlich verdient und verbringen sie im schattigen Hinterhof des kleinen Krankenhauses. Sie genießen die Ruhe und schweigen eine Weile. Von dem Ruheraum der Neugeborenen hören sie die heutigen kleinen Wunder kreischen und quäken. Afrika kann trotz der Schönheit und endlosen Wildnis manchmal so rau und animalisch wirken, so gefährlich und wild, aber in diesen Momenten erkennen beide, dass die Menschheit, egal wie lebensfeindlich ihre Umgebung auch sein mag, stets einen Weg findet fortzubestehen. Maria lächelt in die Ferne. Sie erinnert sich an ihre Familie in Hamburg, ihren kleinen Bruder und denkt zurück an seine Geburt. Damals war sie gerade erst zehn Jahre alt und auf einmal war da ein kleines Etwas, das ständig Nähe brauchte und die Familie die ganze Nacht wach hielt. Manchmal, wenn sie nicht schlafen konnte, schlich sie sich an das Kinderbett des Kleinen und legte sich zu ihm. Der leise Atem ihres weichen, tief schlummernden Bruders wirkte so beruhigend, dass sie keine Minute neben ihm liegen musste, ohne selbst tief einzuschlafen.

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