Lehrer in Accra

Jeden Morgen, bevor der Unterricht beginnt, kann man beobachten, was für eine wichtige Rolle

das Christentum in einem Großteil der Schulen in Ghana spielt. Als Freiwilliger fühlt man in

diesen Momenten eine große Dankbarkeit. Man fühlt sich willkommen, integriert und beschenkt

mit der Ehre, eine so disziplinierte, warmherzige und zeremonielle Gesellschaft beobachten und

beeinflussen zu dürfen.

 

Momo selbst ist Muslim, aber er schaut gerne zu, er versteht, wie wichtig Religion für das

Zusammenleben und das Aufwachsen vor allem unter Kindern ist, egal mit welchen Umständen.

Religion ist und bleibt die Quelle zu einer uralten Weisheit und hat viel zu erzählen, wenn man

nur aufmerksam zuhört und gewillt ist zu verstehen. Er selbst ist nicht besonders religiös, seine

Eltern waren nie sehr konservativ mit ihm, aber trotz allem hat er in seinem Leben auch schon

des Öfteren gebetet und das Gefühl nach einem langen Gebet kann er bis heute mit keinem

anderen vergleichen. Es ist eine ganz besondere Form der Erleichterung, die ihn überkommt

und das war für ihn schon immer etwas sehr wertvolles.

 

Seit drei Wochen arbeitet er nun als freiwillige Lehrkraft an der Schule in Accra und gibt seine

Englisch Kenntnisse an die Lehrkräfte weiter. Auch Unterrichtsstunden hat er schon geführt,

auch wenn er eigentlich eher schüchtern ist. Begeistert berichtet er nach der ersten Stunde

seiner Mutter über Skype, wie ruhig die Kinder dasitzen und gespannt zuhören. Keiner schwätzt,

keiner kritzelt, alle sitzen gerade und hören aufmerksam hin. Zwangsläufig müssen die beiden

an Momos Schulzeit zurückdenken, seine Mutter lacht laut auf, während sie sich an diesen

Lehrer und jenen Lehrer erinnert, über den sich ihr temperamentvoller Sohn wild gestikulierend

aufregen konnte. „Das würden diese Kinder niemals tun!“, sagt sie. Momo muss schmunzeln.

Wie verwöhnt er war, was für ein Quälgeist er gewesen sein muss, wie sehr ihn seine Lehrer

gefürchtet und verflucht haben müssen.

 

Er sieht gerührt zu, wie die Kinder in Reih und Glied stehen und mit geschlossenen Augen und

gefalteten Händen dem Gebet des Lehrers lauschen. Es ist ein schöner Morgen, ein angenehm

kühler Wind lässt die Palmenblätter leise knistern. Momo hat vorsichtig gefragt, ob er ein Foto

der Zeremonie für seine Familie Zuhause schießen darf. Er drückt den Auslöser. Es ist ein

schönes Bild geworden.

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